Kel Tamaschek
         
         
Orientalische Windhunde der Sahelzone

 

Liebe Freunde und Förderer von ABIS,

Neuigkeiten über die 17. Azawakh-Expedition sind den Rückkehrern von dieser Reise schon aus Afrika vorangeeilt.  Nicht ganz ohne Grund, handelte es sich doch um eine besondere Unternehmung. Sie hat eine längere Vorgeschichte.  Unsere Beobachtungen der letzten Jahre hatten gezeigt, daß die Situation der Azawakhs in ihrer Herkunftsregion nicht zu optimistisch eingeschätzt werden darf – die zahlenmäßig abnehmenden Statistiken waren zwar auch den vorangegangenen schlechten Regenperioden und Ernteerträgen geschuldet, haben aber gewiß auch mit der unaufhaltbaren Bedrohung der nomadischen Herdenwirt- schaft  zu tun. Bei den Züchtern und Liebhabern in Europa und Übersee ist mittlerweile die Einsicht vorangekommen, daß  die Zukunft der Rasse von weiteren Importen aus dem Ursprungsgebiet abhängig sein wird. Die Abkehr vom europäisch hochgezüchteten Hyper-Typ  zugunsten der Erhaltung autochthoner Hunderassen gehört bereits zum Mainstream der neueren Kynologie.  Dies sind erfreuliche Entwicklungen, die den Zielvorstellungen von ABIS entgegenkommen. Ein erhebliches Hindernis ergab sich dagegen durch die 2004 erlassenen Richtlinien der Europäischen Union; sie sollen nach einer Reihe von Tollwutfällen das unkontrollierte Mitbringen von „Mitleidshunden“  - vor allem aus den touristischen Anrainerstaaten des Mittelmeers - seuchenpolizeilich unterbinden.  Die von bürokratischem Regelungsdrang  gekennzeichnete Brüsseler  Verordnung erfordert unter anderem eine mehrmonatige, veterinärmedizinisch überwachte Wartezeit des Importhundes im Ausland  - Voraussetzungen, die unter den im afrikanischen Sahel gegebenen Verhältnissen nicht  zu erfüllen sind. 2006 mußten wir zwei vielversprechende Welpen aus Mali, die sich mittlerweile zu prächtigen Azawakhrüden ausgewachsen haben, im Besitz von Ayad ag Inachanan und Mahaman Yaou in Afrika lassen. Wir haben deshalb in enger Zusammenarbeit mit David Moore, unserem ABIS-Delegue in Amerika, Ersatzmöglichkeiten für den legalen Import von Azawakhwelpen aus der Ursprungsregion erkundet. Als günstigste Zwischenstation für die Einfuhr in die EU erwiesen sich dabei die Vereinigten Staaten, die (wie vordem auch in Europa üblich) amtstierärztliche Impf- und Gesundheitszeugnisse zur Voraussetzung machen und eine Hausquarantäne für Welpen unter dem impffähigen Alter vorsehen. David und Aaron waren bereit, auf ihrer Farm in Georgia für später nach Europa weiterreisende Hunde zu sorgen und sich um die Einholung der von der EU dafür geforderten Dokumente zu kümmern. Die  Abklärung aller Einzelheiten mit den amerikanischen Veterinär- und Zollbehörden war Teil der langen Vorbereitung, gleiches galt für die Transportvorschriften bei den interkontinentalen Flugverbindungen samt den zu erwartenden Kosten und  die Versorgung beim exterritorialen Zwischenaufenthalt in Paris durch den Tierbetreuungsdienst des dortigen Flughafens. Entsprechende Arrangements wurden vorab telefonisch und per E-Mail auch mit den zuständigen Leuten des Airports in Niamey/Niger vereinbart. Mit unserem Tuareg-Freund Mahaman  und seiner Offroad-Agentur war ein geeigneter Zeitraum abzusprechen; wir legten Wert darauf, daß wieder die bewährte Mannschaft mit Fahrer, Mechaniker und Koch dabei sein würde, die schon bei früheren Fahrten die besonderen Ansprüche einer ABIS-Expedition verinnerlicht hatte. Insgesamt also ein hoher logistischer Aufwand, da im Interesse der erhofften Adoptiv-Azis zumindest organisatorisch nichts dem Zufall überlassen bleiben sollte – wobei uns nach den Erfahrungen mit der Wurffrequenz der letzten Jahre eine Gesamtzahl von mehr als fünf oder sechs Welpen mit entsprechender Qualität, dem erwünschten Geschlecht und dem geeigneten Alter als kaum wahrscheinlich erschienen ist.  Hier sollten uns Überraschungen bevorstehen. Überraschend war auch die Reaktion von Azawakhfreunden auf die per Website (www.azawakhfriends.com) im Sommer 2006 verbreitete Einladung, sich um eine Teilnahme an dieser speziellen Expedition zu bewerben. Aus sieben Ländern haben sich weit mehr Interessenten gemeldet, als drei Geländefahrzeuge hätten fassen können. Zum Trost blieb den übrigen die Möglichkeit, bei persönlich befreundeten Expeditionsteilnehmern einen Wunschazawakh - natürlich nur Insh’Allah! - in Auftrag zu geben. Mitte Januar haben sich schließlich acht  Azawakhleute auf den Weg nach Afrika machen können: David Moore (Idiiyat-es-Sahel) und Marya Morales aus den USA, Corine Lundqvist (Garde d’Epee) aus Frankreich, Alberto Rossi (Tigidit ) und Claudia Gemmato aus Italien, Christiane Thier-Rostaing (Agg Amaias), Gerhard Hanss und Werner Röder (of  Silverdale) aus Deutschland.  David und Marya sind eine Woche im Voraus in den Niger geflogen, um ein welpengeeigne- tes Basislager außerhalb von Niamey für die Zeit zwischen unserer Rückkehr aus dem Busch und der Reise über den Großen Teich zu finden.  Dies mit großem Erfolg: Das weitläufig umfriedete Wochenendgrundstück von Mahaman und seiner französischen Ehefrau direkt am Niger samt Seerosenufer und planschenden Flußpferden erwies sich später als idealer Platz für unsere Zelte und die lebhaften Umtriebe einer Schar junger Idis, mit denen wir in einem downtown-Hotel natürlich kein Unterkommen gefunden hätten.

Am 17. Januar ist der ABIS-Konvoi, u.a. beladen mit Hilfsgütern für Tin Akoff, in Richtung Ouallam aufgebrochen. Von da an sind wir fast tagtäglich mit neuen „Azawakh-Funden“ konfrontiert gewesen. Schon das erste Nachtlager vor Bani Bangou haben wir mit zwei etwa fünf und sechs Wochen alten Welpen geteilt. Die nächsten Tage galten Besuchen in verstreuten Tuareglagern unter Führung eines einheimischen Guide. Als die Gruppe am 21. Januar den malischen Grenzposten von Anderamboukane erreichte, waren unsere optimistischsten Erwartungen mit dreizehn Welpen an Bord schon weit überschritten.

Der aktuelle Stand der Azawakhpopulation entlang unserer Route ist in dem anschließenden Beobachtungsprotokoll beschrieben. Manche Zahlenwerte mögen ihren Grund auch in einem günstigen Zusammentreffen mit  Nomaden in gerade bevorzugten Weidegebieten haben. Ausschlaggebend für die außergewöhnliche Nachwuchssituation dürfte jedoch die bedarfsgesteuerte Wiederherstellung des Hundebestands nach mehreren wirtschaftlichen Krisenjahren unter dem Vorzeichen einer derzeit ausreichenden Versorgungslage sein.

Die Expedition ist am 28. Januar in Tin Akoff angelangt  und hat dort und bei Exkursionen im Beligebiet die Umschau nach geeignetem Nachwuchs fortgesetzt. Bei ihrer Rückfahrt nach Niamey über Dori und Tera  hatte sie die stolze Zahl von zwanzig Idis an Bord.  Die gewohnte Prozedur mit Impfbestätigungen und Gesundheitszeugnissen mußte diesmal mit Blick auf die spätere EU-Einfuhr einzelner Hunde durch Tätowierung und Exportgenehmigungen der afrikanischen Transitstaaten ergänzt werden. Bis zu ihrem Abflug haben David und Marya mit der Hilfe  Mahamans und seiner Leute alle Hände voll zu tun gehabt.  Am 7. Februar sind die Azis in Begleitung von David und Marya  gesund und wohlbehalten mit Air France in Atlanta gelandet.  Die elf  „Europäer“ unter ihnen erfreuen  nach Ablauf der Wartezeiten mittlerweile ihre Besitzer in Italien (5), Frankreich (3) und Deutschland (3).

Ich hoffe, daß eine gute Zahl der 9 Rüden und 11 Hündinnen Eingang in die Azawakhzucht finden und einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung der Rasse in Europa und Übersee leisten wird. Unsere geduldige Arbeit zugunsten eines genetischen Fundaments außerhalb Afrikas kann aber auch mit dieser erfolgreichen Unternehmung nicht abgeschlossen sein.

Ein Kameramann war diesmal leider nicht mit von der Partie. Es gibt aber prächtige Foto-CDs von Corine Lundvist, Christiane Thier-Rostaing und Gerhard Hanss. Ein Teil der Bilder erscheint in Serie auf David Moores Website www.azawakh.com. Weitere Berichte und Bewertungen seitens unserer Expeditionsteilnehmer in ihren jeweiligen Landessprachen sind zu erwarten.

Das nachfolgend wiedergegebene Beobachtungsprotokoll  enthält vorerst nur die Erhebungsdaten für Niger und Mali. Die um Burkina Faso erweiterten Statistiken werden im  Jahresbericht  2006/2007 abgedruckt; Veränderungen bei den allgemeinen Ergebnissen und ihrer Interpretation sind dabei aber nicht zu erwarten.

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Beobachtungsprotokoll  der 17. Azawakh-Expedition 2007

Aufgezeichnet von Dr. Werner Röder und Corine Lundqvist - Statistik und Graphiken von Elisabeth Naumann

Die 17. ABIS – Expedition mit  8 Teilnehmern aus den USA, Frankreich, Italien und Deutschland führte zwischen dem  17. und   30. Januar 2007 ab  Niamey (Niger) durch die Region um Ouallam und Bani  Bangou  nach Anderamboukane (Mali), durch Landstriche des Wadi Assouagh bis Menaka , bei  Ansongo  über den Niger in Richtung Tin Akoff  (Burkina Faso) und via  Dori und Tera (Niger) zurück nach Niamey. 
In den folgenden Aufzeichnungen sind 60  Azawakhs  auf den Streckenabschnitten in Niger und Mali individuell erfaßt. Eine weitere Anzahl konnte umständehalber, das heißt aufgrund zu großer Distanzen bzw.  bei ihrer Verfolgung der fahrenden Autokolonne oder nach Einbruch der Dunkelheit  nicht im einzelnen protokolliert werden.  Ebenso ist auf die Zählung erst kürzlich gefallener Würfe verzichtet worden,  da dort nur Angaben zu Geschlecht und Fellzeichnung möglich gewesen wären.  Die Gesamtzahl der angetroffenen Population ist mithin höher als das dem Protokoll zugrunde gelegte sample.
Die Aufteilung der Hundehalter nach ethnischer Zugehörigkeit wurde nach dem Muster der bisherigen Protokolle beibehalten.  Ihre Aussagekraft muß jedoch relativiert werden:  Zum einen decken sich die Kennzeichen für eine  Zuordnung  (z.B. Bekleidung, Schmuck,  Zelt- und Hüttenformen) nicht immer  mit den für Tuareg , Peul oder Bella  als jeweils typisch geltenden Merkmalen von  Physiognomie und Hautfarbe.  Bei  allgemein fortschreitender  Vermischung  unter der Bevölkerung Westafrikas  wird  auch innerhalb der nomadischen Familienverbände die Einheitlichkeit  des „eigentlichen“  ethnischen Hintergrunds  ihrer einzelnen Mitglieder  deutlich seltener, eine Tendenz, die durch das maternale Sippenprinzip der Tuareg  begünstigt worden ist.  In Hinblick auf unser Thema ist die gemeinsame Identität  von Touareg, Bella und den in Frage kommenden Fraktionen der Peul  als >Kel Tamaschek< ausschlaggebend:  Zu ihren kollektiven Eigenheiten gehört die Haltung der Azawakh-Windhunde als Teil  der gleichen Wirtschaftsweise. Wie die bisherigen Erhebungen zeigt  auch die vorliegende Auswertung, daß signifikante Unterschiede zwischen den von  verschiedenen pastoralen „Ethnien“  in den zentralen Savannen des Sahel  gezüchteten Idis nicht feststellbar sind. Dies gilt auch für die Kategorie „Andere“;  sie ist für das Protokoll gewählt worden, wenn im Einzelfall ethnische Indikatoren nicht erkennbar waren (etwa in dörflichen Ansiedlungen) oder die Begegnung mit den Hunden  in „freier Wildbahn“ stattfand. 

 

 

Die hier gezeigte prozentuale Verteilung der Ethnien  steht  nur bedingt im Zusammenhang mit ihrer überwiegenden oder dauernden Präsenz  in bestimmten Teilen der Region, da letztere ja nicht flächendeckend erkundet werden konnte  und, zum zweiten, die Mobilität der nomadischen Hirten hoch ist;  sie sind je nach Jahreszeit sowie lokalen Weide- und Wasserangeboten  in wechselnden  Wanderungsgebieten – unabhängig von den Staatsgrenzen – anzutreffen.  Dies wird auch im Vergleich mit  den differierenden Zählungen bei den Expeditionen von 2006 und 2003 deutlich, die zum Teil durch die gleichen Großregionen wie diesmal führten: Tuareg 46  bzw. 30 Prozent;  Peul  9 bzw.17 Prozent. Die jeweilig außergewöhnlich  hohen Anteile von dörflichen Haussa (2006 = 29 Prozent) und nomadischen Bella (2003 = 45 Prozent)   sind den  unterschiedlichen Expeditionswegen (in Niger bzw. Burkina Faso) geschuldet.

 


Die Aufteilung der Geschlechter mit einem deutlich gestiegenen  Anteil von 38 Prozent bei den Hündinnen (2006:  30 Prozent) weist auf den erneut  positiven Verlauf der vergangenen Regenzeit mit ausreichenden Subsistenzmöglichkeiten für die Halter und einen Nachholbedarf bei der Reproduktion des Hundebestands  nach zurückliegenden  Krisenjahren hin. Dem entspricht die erstaunlich hohe Anzahl der vorgefundenen Würfe mit vergleichsweise zahlreichen belassenen Welpen.  Die Beobachtungen  der bisherigen ABIS-Expeditionen weisen in den  letzt genannten Punkten   ökonomisch bedingte Schwankungen auf. So zählten wir 2003 - nach einer Krisenphase -  lediglich einen weiblichen Anteil von 25 Prozent,  2006 schon wieder  von 30 Prozent. 

Für das immer noch kraftvolle Erneuerungspotential der Azawakhpopulation legt auch die aktuelle  Altersstruktur Zeugnis ab.  Sie besteht  derzeit  fast zur Hälfte aus dem Nachwuchs der beiden  letzten  Generationen (bei einer vermuteten durchschnittlichen Lebenserwartung von 4 bis 5 Jahren),  wobei die jüngsten Würfe von unserem Protokoll nicht erfaßt wurden (vgl. oben).  Dabei darf jedoch nicht übersehen werden, daß  die Gesamtzahl der jährlich erfaßten Tiere stagniert , d.h. auch unter den zuletzt relativ günstigen natürlichen Bedingungen frühere Höchstwerte  (zum Vergleich:   213     Exemplare im Jahr  2000) nicht erreicht.  Der Bestand in der Ursprungsregion ist tendenziell bedroht.


Die Fellfarben und  -zeichnungen  bewegen  sich in dem seit jeher anzutreffenden Spektrum, wobei wie gewohnte Anteilsverschiebungen zu beobachten sind und Rot diesmal die absolute Mehrheit darstellt (2006 = 34, 2003 = 50 Prozent). Den nächstgrößer Anteil hat Sandfarben (2006 = 37, 2003 = 30 Prozent); die Stromung  liegt niedriger als in den Vorjahren (damals 12  bzw. 11 Prozent).
Blessen wurden verstärkt registriert (2006 = 22, 2003 = 14 Prozent), Halskrausen und Nackenflecke zeigen keine spezifischen Entwicklungstendenzen (2006 = 9 bzw. 7, 2003 = 28 bzw. 13 Prozent).

Die jährlich zu beobachtenden  Verschiebungen bei den einzelnen Prozentwerten  dürften neben den
Veränderungen innerhalb der Expeditionsrouten  und  der  nomadischen  Mobilität  - also dem Fehlen örtlich stabiler Vergleichsgruppen – angesichts der kurzen Lebenserwartung der Hunde zu einem Teil auf die schnelle Abfolge  der Vererbergenerationen  zurückzuführen sein, also zum Beispiel auf den raschen Wechsel  der jeweils dominierenden  Deckrüden in einem familiären oder örtlichen Verband.
 
Insgesamt beweisen die Farb- und Zeichnungsbefunde  ein weiteres Mal   die natürliche Varietät  innerhalb der Ursprungspopulation.   

 

 

 

 

 

 

Aufgrund der vom Deutschen Windhundzucht- und Rennverband  vor kurzem eingeführten Regelung,
ausgedehntere Weißzeichnung an Hals, Brust und Bauch als zuchtwertmindernd  zu betrachten, wurde erstmals eine entsprechende  Rubrik in das Beobachtungsprotokoll aufgenommen.  Der  Anteil von 25 Prozent in  der  Population des Ursprungsgebiets  belegt ebenso wie alle übrigen Erhebungen der zurückliegenden anderthalb Jahrzehnte, daß die Farb- und Zeichnungsvorschriften des in Europa  erstellten FCI-Standards   unkundig bzw. willkürlich sind.
 

 

Selbstverständlich  unterscheiden sich innerhalb der reinerbigen Landrasse des Ursprungsgebiets  die Exemplare durch  qualitative Merkmale.   Der für die dortigen Züchter und Halter zweifellos ausschlaggebende  Gebrauchswert des einzelnen Tieres (so etwa die Funktion als Herdenschutz- und Lagerhund, Sozialverhalten oder jagdliche Eigenschaften) kann unter Expeditionsbedingungen höchstens im Einzelfall verläßlich erfragt werden.   Details wie Farbe oder  Zeichnung  genießen bei den diversen Stämmen der Kel Tamaschek ganz unterschiedliche und oft gegenteilige Wertschätzungen, die sich von den jeweiligen Familienüberlieferungen  (und häufig von  abergläubischen Rückschlüssen auf  den Charakter des Tieres, so bei der Fellfarbe Schwarz) herleiten.   Für die Eingruppierung von hochtypisch bis wenig typvoll  benutzen die Beobachtungsprotokolle deshalb die der Rasse insgesamt  eigene anatomische Erscheinung (Format), wie sie auch im FCI-Standard richtig wiedergegeben ist.  Auf diese Weise wird zudem die Möglichkeit eines Vergleichs mit dem  außerafrikanischen Bestand in Anlehnung an die hiesigen Bewertungsskala (V / SG / G) hergestellt.

 


Exkurs:  Die Bewertung hochtypisch  mit 76 Prozent  entspricht ziemlich genau den 79 Prozent, die 2006 (unter Abzug der deutlich geringeren Einstufungen in den damals im Niger durchfahrenen dörflichen Siedlungen der Haussa)  an Hunde in nomadischem Besitz vergeben worden sind.  Für eine Reflexion des im Vorjahr in der Region  Niger mit einem dortigen Haussa-Anteil von 29 Prozent erfaßten Anteil von lediglich 27 Prozent hochtypischenHunden, die das Gesamtergebnis für 2006 auf 53 Prozent verringert hatten,   wurden die regionalen Werte unter dem ethnischen Aspekt näher in den Blick genommen. Für Niger ergibt sich 2007 ein Anteil von knapp 74 Prozent, wobei die nomadischen Halter mit 87 Prozent  diesmal die ganz überwiegende Mehrheit darstellen und die Haussa-Ethnie als Teil des kleinen Sektors „Andere“ auftaucht. Für Mali ergibt sich ein Anteil von gut 66 Prozent unter der Zuordnung von mindestens 83 Prozent an Tuareg und Peul.


Bezogen auf die Staatsgrenzen, die für die Hirtenstämme ja keine Rolle spielen, sind diese Angaben ohne kynologische Relevanz. Auch der  jeweilige Anteil der angetroffenen  nomadischen Ethnien Tuareg und Peul  ist aufgrund ihrer Mobilität nicht viel mehr als die Momentaufnahmen entlang einer stichprobenartigen Expeditionsroute von nur wenigen Wochen.  Signifikant mag jedoch die 2006 festgestellte graduelle Unterschiedlichkeit des phänotypischen Qualitätsbefunds innerhalb der nomadischen Hirtenkultur und bei den dörflichen Haussa  sein.  Letztere haben ihre Hunde zweifellos dem Azawakh-Bestand der Tuareg und Peul entnommen.  Wahrscheinlich ist jedoch, daß das  Fehlen des Traditionswissens der Nomaden bei der Wurfselektion, die geringe Leistungsauslese  und  die Nachteile der  Eng- und  Inzuchtvermehrung   unter den „Haushunden“   eines Dorfes  das  Erklärungsmuster für den schwächeren Anteil  anatomisch hochklassiger Exemplare darstellen kann.  Ein ähnliches Beobachtungsergebnis hat 2005 die Erkundungstour in das Bergland des Air  gezeitigt. Es konnte dort  allerdings nicht mit der ethnischen Struktur in Verbindung gebracht werden (es handelte sich  fast ausschließlich um eine Fraktion der Tuareg), sondern  mit der langfristigen Anpassung an die speziellen  topographischen,  klimatischen und ökonomischen Umweltbedingungen  und den entsprechenden Veränderungen  bei den Arbeitsaufgaben der Hunde in diesem „Isolat“.   Ähnliches habe ich bei früheren Reisen durch den Ahaggar feststellen können.
Das Expeditionsprotokoll  2007 bekräftigt die bisherigen Schlußfolgerungen unserer langjährigen Feldforschung:

Der Azawakh der Ursprungsregion hat seine ursprüngliche Erscheinung und Natur als Gebrauchshund aller  nomadischen Hirtenstämme im Sahel  bewahrt. Seine Zuordnung an bestimmte Ethnien, Regionen oder gar an neuzeitliche Staatsgebiete ist sinnlos.  Er ist überall dort als reinblütige Landrasse verbreitet, wo traditionelle Herdenwirtschaft auf der Grundlage der Transhumanz existiert.  Er besitzt ein unverkennbares anatomisches Format, das ihn von anderen Windhundrassen und  -schlägen des Kontinents trotz vermutlicher  gemeinsamer Wurzeln  unterscheidet.  Eigenschaften wie Farbe oder Zeichnung  weisen eine große Variationsbreite auf;  ihre Wertschätzung durch die Nomaden  ist   - wie bei anderen dem Azawakh zugeordneten  Vorstellungen - regional und sozial  unterschiedlich.

 

Die Rasse Azawakh , der in erster Linie und mit dem Blick auf ihr Fortleben auch außerhalb Afrikas unser Interesse gilt,  ist durch historische  Anpassung  an die Lebensbedingungen in den weiten Savannen und durch seinen Gebrauchswert für die Besitzer von wandernden Schaf- und Ziegenherden in Phänotyp und Wesen definiert.  Diese Voraussetzungen erlauben auch die Abgrenzung gegenüber  verwandten Windhundschlägen  im Süden  der  Sahara.

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Unsere Projekte in Tin Akoff

Wie in den letzten Jahren hat auch diese Expedition Impfstoffe für den Tollwutschutz in der Region mit Hilfe einer elektrisch betriebenen Auto-Kühlbox unbeanstandet über Niamey einführen können, ebenso ein großes Kontingent gespendeter Medikamente und medizinischen Zubehörs für den Sanitätsposten in Tin Akoff. Hinzu kamen wiederum Decken, Kleidungsstücke und Schuhwerk zur Verteilung unter den besonders Bedürftigen.  Neben Lern- und Lehrmaterial erhielt die Grundschule eine von unseren Berliner Freunden gesammelte Geldzuwendung für das Salär der Schulköchin und die Transportkosten der vom Staat in Verteilungszentren bereitgestellten Nahrungsmittel. Für den Beauftragten im Departement, Ayad ag Inachanan, konnte auch diesmal der seit Jahren übliche Betrag von  rd. 2 Millionen CFA (ca. 3.000 Euro) aus den Spenden der ABIS-Förderer aufgebracht werden. Das Geld ist zum Einkauf neuer Getreidebestände für das Hirsemagazin bestimmt und deckt Arbeitszeit und Sachausgaben für das Motorrad bei den Impffahrten in der Region ab. Darüber hinaus soll es Aufwendungen für die Pflege des Beligartens (mit Abgabe von Gemüse an die Schulküche) und die Versorgung von Ayads Azawakhfamilie (derzeit an die zwanzig Hunde) ermöglichen.  Zu seinem Auftrag gehört die Verteilung von Welpen an gute Plätze unter den Nomaden des Bezirks  sowie die Vertretung von „Azawakh-Belangen“ bei der Provinzverwaltung und in der Bevölkerung.

Für einige aus der Reisegruppe war ein Teil des dreitägigen Aufenthalts in Tin Akoff mit Projektangelegenheiten und „offiziellen“ Gesprächen belegt.  Es gab aber – neben Exkursionen mit Ayad zu Siedlungen seiner Peul-Wara-Wara-Sippe und den dortigen Azawakhs – auch das Wiedersehen mit Ayads Meute, darunter immer noch die Urmutter Taikoussou, die ebenso wie ihre Münchener Schwester Afrika  in Würde ihrem schon absehbaren Lebensende entgegenging. Mozart, unser Geschenk aus Mali an Ayad im vergangenen Jahr, hat sich zu einem bildschönen Rüden entwickelt. Elisabeths Patenhündin Caramel war wieder einmal Mutter geworden und kümmerte sich geduldig um die vielen kleinen Expeditions-Idis, die im ummauerten Geviert des ABIS-Campements ihr Unwesen trieben. Die meisten von Ayads Hunden haben die „ alten Afrikaner“ unter den Expeditions- teilnehmern  wiedererkannt und freundlich begrüßt. Zum Abschluß unserer Visite konnten wir eine fulminante Vorstellung der besten Tanz- und Musikgruppe des Departements miterleben.

Eine ausführliche Darstellung von Stand und Perspektiven der ABIS-Projekte folgt wie immer im Rahmen des nächsten Jahresberichts; bis dahin sollten uns  Ayads aktuellste Nachrichten erreicht haben. Zur Agenda  wird dann auch gehören, ob und in welcher Weise der von unseren Freunden in Berlin inzwischen eingetragene gemeinnützige Hilfsverein für Tin Akoff als evtl. künftig akkreditierte Nicht-Regierungs-Organisation (NGO) die Betreuung der bisherigen ABIS-Projekte weiterführen kann. Letzteres  würde es mir auch viel leichter machen,  die eigene Arbeitskraft der kommenden Jahre – Insh’Allah! -  wie geplant auf die Dokumentation der Rasse und ihre Erhaltung außerhalb der bedrohten Ursprungsgebiete zu konzentrieren. 

 

Für heute mit ganz herzlichen Grüßen                                             
 
             Werner Röder                                         München, im Mai 2007

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NB: Für alle, die sich eingehend und verläßlich über Geographie, Geschichte, Wirtschaft, Politik und Entwicklungsprobleme Westafrikas informieren wollen, gibt es jetzt einen vorzüglichen Sammelband:
Thomas Krings (Hrsg.), Sahelländer. Mauretanien, Senegal, Gambia, Mali, Burkina Faso, Niger.220 Seiten mit 140 Abbildungen und 13 Tabellen .Wissenschaftliche Länderkunden, WGB Darmstadt 2006. ISBN 13:978-3-534-11860-1.

 

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Und noch etwas in eigener Sache - die Azawakhs of Silverdale haben eine neue Website:
www.azawakhs.eu
Wenn Sie uns als Adresse oder als Link auf Ihrer Homepage führen, sind wir Ihnen für eine entsprechende Änderung dankbar.
WR


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